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Alte Leute haben viel zu erzählen, weil sie viel erlebt und gesehen
haben. Und sie erzählen gerne: wie früher der Alltag aussah,
wie die Feste gefeiert wurden, was es für schwere Zeiten gab und
wie sie gemeistert wurden, was besser und was schlechter war als heute....
atelier havelblick will diese Fähigkeit kreativ nutzen. Aus den
"alten Geschichten" soll etwas Neues entstehen, das nicht nur
für die Teilnehmer selbst, sondern auch für die jüngere
Generation von Interesse ist.
Eine Gruppe von alten Leuten aus dem Ländchen Rhinow hat sich während
der Wintermonate 2002/2003 unter der Regie von atelier havelblick Geschichten
aus ihrem Leben erzählt. Die Vorgehensweise dabei war so: Wir formulierten
für jedes Treffen eine thematische Vorgabe: "Heimat", "Nachkriegszeit",
"Die Zeit um den 17.Juni 1953", "Neuanfänge",
"Die siebziger Jahre". Zu diesen Begriffen brachte jeder Teilnehmer
einige private Fotos mit, die projiziert wurden und die Gruppe zum gemeinsamen
Erinnern und Erzählen animierten. Alle Treffen wurden vollständig
als Tonaufnahme aufgezeichnet.
Ziel der Arbeit war es, das kollektive Gedächtnis der älteren
Generation zu beleben und zu dokumentieren: Das individuelle Private des
Einzelnen fügt sich zu einer gemeinsamen (Lebens-)Geschichte aller
zusammen.
Erstaunliches Neben-Resultat des Erzählens: von den 14 teilnehmenden
alten Leuten waren nur drei gebürtige Havelländer, alle anderen
sind zugewanderte "Fremde", die Mehrzahl von ihnen Kriegs-Flüchtlinge.
Erste Ergebnisse dieser "Erinnerungswerkstatt" präsentierte
atelier havelblick im Mai 2003 in einer kleinen Ausstellung: Aus den vielen
Bildern ihres Lebens wählten die Teilnehmer jeweils eine Sequenz
aus, die sie handschriftlich mit einer persönlichen Geschichte kommentierten.
Die Ausstellung setzte sich zusammen aus zehn individuellen Bildtafeln.
Eine Toncollage mit Ausschnitten aus den Treffen mit den Teilnehmern vervollständigte
die Inszenierung.
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